Noch mehr Auen-Dynamik im Biosphärenreservat an der Hohen Garbe

Laufzeit: 2012-2021

Ziel: Wiederherstellung der Auen-Dynamik der Hartholz-Auenwälder 

Die Hohe Garbe liegt im Norden Sachsen-Anhalts in der Schlaufe eines Elb-Mäanders. Es stellt eines der letzten naturnahen Auengebiete an der Elbe dar. Ein alter, funktionsloser Deich trennte die Halbinsel vom Elbstrom ab, sodass Wasser nur verzögert in den Auwald floss und kaum wieder ein Rückfluss erfolgte. Um lebendig zu bleiben, muss eine Aue jedoch regelmäßig überschwemmt werden.

Über mehrere Projekte und Maßnahmen sollte das wertvolle Biotop gerettet und nachhaltig entwickelt werden. Deichschlitzungen erfolgten, alte Flutrinnen wurden reaktiviert und angeschlossen, Tümpel, Steilufer und Brutinseln angelegt. Auch bei geringen Hochwässern kann die Elbe das Gebiet wieder durchströmen. Lebensräume z. B. für Amphibien, Insekten, Uferschwalben und Kiebitze wurden geschaffen.

Mit der Hohen Garbe hat das BUND-Auenzentrum Burg Lenzen in Abstimmung mit der Biosphärenreservatsverwaltung eines der größten Hartholz-Auenwälder im Bereich der Mittelelbe wiederbelebt.

Im Bundesprogramm Biologische Vielfalt wurden zwei ehemalige Flutrinnen wieder aktiviert, indem verlandete Bereiche ausgebaggert und der alte funktionslose Deich geschlitzt. Die Bauarbeiten führten zu einer noch besseren Vernetzung zwischen Elbe und Hoher Garbe. Flutrinnen sind charakteristische Elemente einer Auenlandschaft. Diese flachen Eintiefungen im Gelände füllen sich bei hohen Flusswasserständen mit Wasser und werden durchströmt. Bei niedrigen Wasserständen bleiben sie hingegen trocken. Eine solche natürliche Dynamik im Rhythmus des Flusses sorgt für Artenvielfalt und Wasserrückhalt im Gebiet.

Mit dem von der Deutschen Postcode Lotterie unterstütztem Projekt „Auenentwicklung zwischen Elbe und Aland“ wurde die Anbindung der zentralen Flutrinne an die Elbe weiter optimiert. Wie die Karte zeigt, ist diese Flutrinne bereits im westlichen Bereich mit der Elbe verbunden. Auch der östliche Bereich (rote Markierung) wurde über die Nebenrinne am Kälberwerder mit der Elbe vernetzt und damit oberstromig angebunden. „Solche beidseitig angebundenen Flutrinnen sind besonders wertvoll, da sie bei Hochwasser vollständig durchströmt werden und sich dadurch besonders auentypische Verhältnisse einstellen können.“ erläutert der Projektleiter Dieter Leupold. „Zukünftig werden schon kleinere Hochwasser ab etwa. 380 cm am Pegel Wittenberge durch die neue Rinne in den Auwald fließen und für auentypische Dynamik sorgen.“, so Leupold.

Dieses neu gebaggerte Stück der Flutrinne ist etwa 800 m lang, tieft sich bis über 1,50 m in das Gelände ein und ist ca. 3 m in der Sohle breit. Der Bodenaushub wurde in den angrenzenden Flächen zu mehreren Erdhügeln aufgeschüttet, die bei extremen Hochwassersituation eine Fluchtmöglichkeit für Tiere bieten.

Weitere Amphibientümpel im Biosphärenreservat Mittelelbe

Im abgeschlossenen Projekt "Lebendige Auen für die Elbe" hat das BUND-Auenzentrum in Abstimmung mit dem Biosphärenreservat Mittelelbe in der Hohen Garbe nahe des Abgrabungsgewässers bereits drei Amphibientümpel angelegt, die rasch von Moorfrosch und Kammmolch angenommen wurden.

https://www.bund.net/fluesse-gewaesser/lebendige-elbauen/hohe-garbe/

https://www.bund-sachsen-anhalt.com/themen/umwelt-schuetzen/gruenes-band/hohe-garbe/

Wenn der Wald im Wasser steht

Schon bei kleinem Hochwasser wird die Hohe Garbe nun wieder von Wasser durchströmt. Genauso hat es Dieter Leupold vom BUND-Auenzentrum Burg Lenzen erwartet: "Wir haben in den letzten Jahren insgesamt zwei Flutrinnen wiederbelebt und an die Elbe angeschlossen. Diese Vertiefungen im Gelände sorgen nun, also auch schon bei kleineren Hochwassern, für eine Durchströmung des wertvollen Gebietes mit seinem besonderen Auwald." Solche regelmäßigen Überflutungen sind typisch für naturnahe Auenlandschaften. Das Wasser transportiert gleichzeitig Sedimente sowie Nährstoffe und gestaltet vielfältige Lebensräume. Sinkt der Wasserpegel, bleiben wassergefüllte Senken und Rinnen zurück. Dort entwickeln sich kleinzellige Algen und später Wasserflöhe - eine ideale Nahrungsgrundlage für unzählige Insektenlarven. Davon profitieren wiederum Fische, Amphibien, Fledermäuse und Vögel, die einen "reich gedeckten Tisch" vorfinden. Kurz gesagt: Wasser ist Leben! 

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