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Gartenreich Dessau-Wörlitz

Entlang der Elbe, auf einer Fläche von 142 qkm erstreckt sich der gartenkünstlerische Höhepunkt des Biosphärenreservates Mittelelbe: das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Mit seinen fließenden Übergängen zwischen Natur- und Kulturlandschaften ist das historische Gartenreich eines der bedeutendsten Landschaftsgestaltungen Europas. In das Landschaftsbild der Auen sind zahlreiche Parks, Schlösser und Gärten eingebettet. Bekanntester Teil des Gartenreichs ist der Wörlitzer Park. Er wurde unter der Regentschaft von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau von 1764 bis 1800 angelegt. Die Landschaft des Parks ist besonders wasserreich, da sie auf einem abgetrennten Arm der Elbe errichtet wurde. Sie gilt als der erste deutsche Landschaftspark nach englischem Vorbild. Entstanden in der Aufklärung hatte der Park gleichzeitig einen Bildungsauftrag, der sich über Gartenbaukunst, Ackerbau und Architektur erstreckte. Seit November 2000 steht das Gartenreich Dessau-Wörlitz auf der Liste des Welterbes der Menschheit der UNESCO. Unweit des Wörlitzer Parks befindet sich in Dessau-Waldersee in einer Parkanlage das Schloss Luisum, eines der ersten klassizistischen Schlossbauten Deutschlands. Fürst Franz ließ es 1774 für seine Frau Luise bauen, daher auch der Name des Bauwerks. Weitere Anlagen des Gartenreiches sind das Oranienbaumer Schloss mit Park, das Georgium, Mosigkau, der Kühnauer Landschaftspark in Dessau sowie der Sieglitzer Park zwischen Vockerode und Dessau. Das Gartenreich ist nur ein Teil des gartenkulturellen Erbes in Sachsen-Anhalt. In Zusammenarbeit des Ministeriums für Wirtschaft und Technologie und des Kultusministeriums wurde im Jahr 2000 das Projekt „Gartenträume" Historische Parks in Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen. Von nahezu 1.000 Gärten und Parks suchte man die 40 bedeutendsten, zu denen alle Parks des Gartenreiches gehören, aus und fasste sie unter einem Netzwerk zusammen.

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Elbebiber

Der Elbebiber ist das größte Nagetier Europas und zugleich das Wappentier des BRME. Nahe dem Aussterben, durch Bejagung und die Vernichtung seiner Lebensräume, fand der Biber an der Elbe sein letztes Rückzugsgebiet. Seit den 70-er Jahren stieg die Zahl der Bestände wieder an. Heute leben im BRME wieder ca. 1200 Elbebiber. Um diese Tiere einmal aus nächster Nähe beobachten zu können, wurde die zwischen Dessau und Oranienbaum liegende einzig Biberfreianlage Deutschlands auf einer Fläche von 11000qm errichtet. Hier können die scheuen und nachtaktiven Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden. Mittelpunkt ist die Biberburg mit dem 650 qm großen Gewässer. Elbebiber können bis zu 1,40 m lang werden und 35kg schwer. Das Höchstalter liegt bei über 20 Jahre. Er besitzt ein sehr dichtes Fell, mit bis zu 23000 Haaren auf einem qcm (beim Menschen bis zu 600 pro qcm). Als reiner Vegetarier ernährt er sich von etwa 200 verschiedenen Futterpflanzen. Im Sommer sind es meist Wasserpflanzen  und Kräuter, im Herbst und Winter dann die Rinde der von ihm gefällten Bäume. Holz, Wasserpflanzen und Schlamm, verwendet der Biber aber auch für die Anlage von Dämmen, mit denen er den Wasserstand reguliert. Gleichzeitig schafft er dadurch neue Lebensräume für andere Tiere.

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Auenwald

Der Auenwald ist die natüliche Vegetationsform in den Flussauen. Der größte noch erhaltene zusammenhängende Auenwaldkomplex Mitteleuropas befindet sich im Biosphärenreservat Mittelelbe. Geprägt werden diese Waldgesellschaften von Überschwemmungen und hohen Grundwasserpegeln. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen Weichholz- und Hartholzaue. Die Weichholzaue liegt nahe dem Flussstrom, in den häufig, lang und hoch überfluteten Gebieten. Hier bestimmen die Strömung und Dynamik des Flusses die Vegetation. Charakteristische Baumarten sind Silberweide und Schwarzpappel, die durch ihre Elastizität dem strömenden Wasser widerstehen können. Mit zunehmender Entfernung vom Fluss verändert sich das Landschaftsbild. Die Weichholzaue geht in die Hartholzaue über. Dieses Gebiet der Aue wird seltener und kürzer überflutet, so dass hier Stieleichen, Feldulmen und Feldahorn dominieren. Auenwäldern kommt eine wichtige Bedeutung zu. Sie bieten Lebensraum für eine sehr große Vielfalt von Tier und Pflanzenarten. Je nach Größe können Auenwälder auch zum Schutz vor Hochwasser beitragen. Sie vermindern die Stromkraft des Flusses und nehmen die Fluten auf. Zusätzlich filtern sie das ins Grundwasser sickernde Flutwasser und speichern es. Der entscheidende ökologische Faktor für die Struktur und Zusammensetzung eines Auenwaldes ist der Fluss, der ihn am Leben hält. Im Laufe der Zeit wurde allerdings stark in den natürlichen Verlauf der Flüsse eingegriffen. Sie wurden begradigt, kanalisiert und mit Dämmen und Staustufen ausgebaut. Dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit, das Flussbett wird tiefer ausgewaschen und der Grundwasserspiegel sinkt. Damit verschlechtern sich die Wasserverhältnisse für die Auenwälder und sie verkümmern. Der verheerende Rückgang wurde zusätzlich durch die Rodung der Auenwälder zugunsten der Landwirtschaft verstärkt.

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Altwasser

Einen wichtigen Bestandteil des ökologischen Systems des Biosphärenreservates Mittlelbe bilden die so genannten Altwässer. Vor dem Eingriff des Menschen in den Verlauf der Flüsse verlagerte die Elbe zu Hochwasserzeiten oftmals ihr Bett, wobei Teile des Flusses vom Hauptstrom isoliert wurden. Es entstanden Stillgewässer, die heutigen Altwässer, mit äußerst hohem Nährstoffgehalt für Tiere und Pflanzen. Ein typisches Altwasser ist der Kühnauer See am Rande der Stadt Dessau. Sein Nährstoffgehalt nahm durch natürliche Verlandungsprozesse sowie Düngung der umliegenden Felder und die Teilung des Sees durch einen Damm rapide zu. Das größte Altwasser trat durch die Beschleunigung der Verlandungsprozesse in die Endphase der Verlandung ein. Kies wurde durch mächtige Schlammauflagen sichtbar, die zu einer Verflachung des Gewässers führten. Folglich verschwanden viele Pflanzen- und Tierarten aus dem Altwasser. Eine aufwändige Sanierung des Kühnauer Sees wurde erforderlich, um den einstmaligen Lebensraum wieder herzustellen. Zwischen 1993 und 1997 führte man dieses umfangreiche und bedeutende Schutzprojekt des Biosphärenreservates mit der maßgeblichen Unterstützung der Allianz-Umweltstiftung durch: Der See durchtrennende Damm wurde entfernt und der Faulschlamm ausgebaggert. So konnte seltenen Pflanzen, wie z. B. der Wassernuss, wieder eine neue Lebensgrundlage geboten werden. Darüber hinaus verbesserte sich die Wasserqualität des Kühnauer Freibades erheblich. Die im Mai 2005 durch das Land Sachsen-Anhalt durchgeführte Untersuchung wies dem Freibad die Klasse 1: „sehr gut geeignet als Badegewässer" zu.

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Solitäreichenwiese

Typisch für die Auen im Biosphärenreservat sind Solitäreichenwiesen. Mächtige Eichen oder Eichengruppen stehen inmitten von ansonsten baumlosem Grünland. Sie sind Spuren vergangener Landnutzungsformen und später auch Landschaftsgestaltungen. Bei der mittelalterlichen Hutewirtschaft trieb man das Vieh zur Weide in den Wald. Junge, nachwachsende Bäume wurden so regelmäßig abgefressen. Das restliche Holz diente als Heizmaterial. Nur einzelne Bäume blieben als Futterlieferant und Schattenspender stehen. Erst mit Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau erfuhr die Solitäreiche auch eine ästhetische Aufwertung und wurde als erhaltens- und schützenswert bewusst gepflegt. Diese Bewahrung ist bis heute noch eine der großen Aufgaben des Biosphärenreservates. Jedes Jahr werden im Rahmen landschaftspflegender Maßnahmen Eichenpflanzungen vorgenommen. Dabei erschöpft sich die Rolle der Eiche nicht als Landschaftselement. Für eine Vielzahl von Tieren ist sie von großer Bedeutung. Vor allem verschiedene Käfer, wie der Heldbock, haben in ihr ein Zuhause gefunden. Der auch als großer Eichenbock bekannte Käfer ist in Deutschland vom Aussterben bedroht und streng geschützt. Er erreicht eine Länge von 24 bis 53 mm und trägt eine schwarz-braune Farbe. Die Verbreitungstendenz dieser ortstreuen Tiere ist sehr gering, da sie nur kleine Strecken zurücklegen können. Diese Eigenschaft und das mittlerweile nur vereinzelte Auftreten der bevorzugten Solitäreichen haben eine verheerende Auswirkung auf seine Bestände. Hinzu kommt, dass der Rückgang des Heldbocks sich nur langsam bremsen lässt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Eichen erst in einem Alter ab 80 bis 150 Jahren für die Käferart interessant werden. Sie bevorzugen vor allem absterbende alte Stieleichen in der Zerfallsphase als Lebensraum.

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 Flüsse

Das Zentrum des Biosphärenreservates bildet die Elbe und ist gleichzeitig dessen Namengeber. Mit einer Länge von etwa 1.100 km ist sie einer der längsten Flüsse Europas und gehört zudem zu den hundert längsten Flüssen der Welt. Entsprungen in Tschechien, fließt die Elbe durch Deutschland und mündet schließlich in die Nordsee. Während der deutschen Teilung bis 1990 galt der Strom über einige Teile der Strecke als Grenzfluss. Obwohl sie zu Beginn der 90er Jahre stark durch Schwermetalle und chemische Abwässer belastet war, gilt sie insbesondere im Mittellauf als sehr naturbelassen. 1997 wurde das Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittlere Elbe von der UNESCO anerkannt. Zwei wichtige Nebenflüsse der Elbe sind Havel und Mulde. Die Havel ist mit ihren 341 km der längste rechte Zufluss der Elbe. Sie entspringt in Mecklenburg-Vorpommern, fließt durch Brandenburg und mündet in Sachsen-Anhalt in die Elbe. Dabei fließt sie durch zahlreiche Seen. Die Mulde findet ihren Ursprung im Erzgebirge und ist ein nicht schiffbarer Nebenfluss der Elbe. Sie entsteht aus dem Zusammenfluss der Zwickauer Mulde und der Freiberger Mulde südöstlich von Leipzig. Bei Bitterfeld füllt sie den Muldestausee und mündet schließlich nördlich von Dessau in die Elbe. Der auch als Vereinigte Mulde bezeichnete Fluss ist 124 km lang und der am schnellsten fließende Fluss Mitteleuropas. Da die Elbe mit ihren Nebenflüssen unterschiedliche Landschaften durchläuft, finden wir verschiedene Lebensräume vor. Das Gebiet der Mittleren Elbe weist ein besonders hohes Maß an natürlichen oder naturnahen Landschaftsbildern auf und ist auch vergleichsweise dünn besiedelt. Die Dynamik des Flusses und die damit einhergehende ständige Verschiebung des Flussbettes sind für die unterschiedlichen Vegetationsformen verantwortlich. Allerdings ist ein Großteil der ursprünglichen „echten" Auenlandschaft durch Deichbau verloren gegangen.

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Biosphärenreservat Mittelelbe

Biosphärenreservate sind großflächige Modellregionen für komplex strukturierte Kulturlandschaften, in denen ein dauerhaft umweltgerechter Umgang mit natürlichen Ressourcen verfolgt wird. Die Regionen umfassen von jeglicher Nutzung ausgeschlossene Totalreservate, Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie Wohn- und Wirtschaftsflächen. Der Schwerpunkt der Aufgaben von Biosphärenreservaten liegt vor allem im nachhaltigen Entwickeln der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Biosphärenreservate bilden ein weltweites Netz. Im November 2004 gab es 459 dieser Schutzgebiete in 97 Ländern. Das Biosphärenreservat Mittlelbe ist eines der ersten beiden Biosphärenreservate in Deutschland. Schon 1979 wies die UNESCO das Biosphärenreservat „Steckby-Lödderitzer-Forst" aus. 9 Jahre später wurde es um weitere Flächen des Gartenreichs Dessau-Wörlitz erweitert bis schließlich 1997 daraus das Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittlere Elbe entstand, welches heute den Namen Mittelelbe trägt. Insgesamt umfasst es jetzt eine Fläche von 126.000 ha. Die Kombination zwischen feuchtkühlem atlantischen und trockenwarmen Kontinentalklima bietet Voraussetzungen für eine große Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume. Neben den Auenwäldern mit ihren Hart- und Weichholzauen finden sich zahlreiche Altwässer und Stromtalwiesen mit einem erheblichen Artenreichtum. So sind über 1.000 Pflanzenarten und 250 Vogelarten in dieser Region nachgewiesen. Innerhalb des Biosphärenreservates gilt es, diese Landschaften, Ökosysteme, Arten und genetische Vielfalt zu schützen. Dabei bilden der Erhalt und die Weiterentwicklung von bestehenden Landnutzungsformen in Zusammenarbeit mit der ansässigen Bevölkerung die Schlüsselfunktion. Zusätzlich wird neben umweltbewusstem Handeln und naturnahem Tourismus, ökologische Umweltbeobachtung, Forschung, Monitoring, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit im einem Biosphärenreservat durchgeführt.

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 Störche

Der Weißstorch ist für das Biosphärenreservat Mittelelbe besonders kennzeichnend. In den Dörfern und auf den Wiesen des Elbetals findet er noch seinen idealen Lebensraum. Weißstörche können etwa 1 bis 1,10 m groß werden und eine Flügelspannweite von 2 bis 2,20 m erreichen. Sie bevorzugen vor allem Wiesen und Sumpfland und nisten auf Leitungsmasten, Bäumen, Kaminen und Hausdächern. Der auch als Klapperstorch bekannte Vogel besitzt nur eine schwach ausgeprägte Stimme und verständigt sich überwiegend durch Klappern mit dem Schnabel. Orte wie Buch und Loburg gehen mit gutem Beispiel voran, diese bedrohte Vogelart zu bewahren. Das in Buch gelegene Zentrum für Ökologie, Natur- und Umweltschutz bietet dem Besucher neben interessanten und spannenden Ausstellungen etwas Außergewöhnliches. Durch eine Videoübertragung ist direkt das Leben der Storchenfamilie zu erleben, die auf dem Dach des Elbezentrums ihr Nest hat. Eine bewundernswerte Arbeit leistet der Storchenhof in Loburg, der 1979 gegründet wurde. Seine Mitarbeiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit ganzer Kraft für den Erhalt der Weißstörche und deren Lebensräume zu kämpfen. Besucher können hier die Aufzucht verwaister und die Pflege verletzter Störche beobachten. Zweimal im Jahr, im März und im August, werden gesunde, flug- und überlebensfähige Pflegestörche ausgewildert. Insgesamt nahm der Storchenhof bis heute über 1.000 Vögel auf und siedelte etwa zwei Drittel wieder aus. Dem interessierten Besucher bietet das Biosphärenreservat mit seinem Auenpfad Wahrenberg ein besonderes Naturerlebnis. Hier können Vögel wie der Storch auch in freier Wildbahn beobachtet werden.

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 Pflanzen

Im Flusstal der Elbe kommen aufgrund der hohen Standortvielfalt über 1.000 Gefäßpflanzenarten vor. Neben mehreren Orchideenarten wie beispielsweise Stattliches Knabenkraut treten auch wärmeliebende Wasserpflanzen wie die Wassernuss und der Schwimmfarn auf. Die Auenwiesen werden durch die Blütenfarben der Sibirischen Schwertlilie und des Großen Wiesenknopfes im späten Frühjahr farblich unterstrichen. Durch den stetigen Wechsel von trockenen und nassen Bereichen werden der Vegetation unterschiedlichste Lebensräume geboten. Im Fluss selbst gibt es relativ wenige Pflanzen. Durch den Eingriff des Menschen in den Verlauf des Elbestroms erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Dies hatte zur Folge, dass sich keine konstante Vegetation im Flussbett ansiedeln konnte. Direkt am Spülsaum finden sich unter anderem auch so genannte Stromtalpflanzen wie z. B. die Elbe-Spitzklette. Darauf folgen die Weichholzauen mit ihren Weiden, Erlen und Pappeln und anschließend die vorwiegend von Stieleichen geprägten Hartholzauen. In den Nebengewässern der Elbe wachsen überwiegend Wasser-, Sumpf- und Uferpflanzen wie die Krebsschere, Schwanenblume und Seekanne. In den Tümpeln und Flutmulden ist der Wasserhahnenfuß sehr verbreitet. Ein ganz besonderes Exemplar der Elbtaler Pflanzenwelt ist die wärmeliebende Wassernuss, auch genannt Wasserkastanie. Vom Aussterben bedroht, steht sie seit langem unter Naturschutz. Die seltene Pflanze bevorzugt wärmegetönte Gebiete bzw. Klimazonen als Wuchsgebiet. Sie bevorzugt stille Gewässer, wie die Altwässer an der Mittleren Elbe, und ist in Flachwasserzonen im Boden verankert. Aus der Blüte entwickelt sich eine dunkelbraune, hartschalige Frucht. Sie gibt der Wasserpflanze ihren Namen. Diese Frucht der Wassernuss ist sogar essbar. Eine Besonderheit bilden die Stromtalwiesen, in denen wechselfeuchte Arten und Pflanzengesellschaften siedeln. Hier sind die Vorkommen von Sumpf-Brenndolde, Sibirischer Schwertlilie und Echtem Haarstrang bemerkenswert. Die Vielfalt und Eigenart der Pflanzenwelt im Biosphärenreservat kann nur durch den Schutz des ökologischen Gleichgewichts erhalten bleiben.

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 Dessau

Dessau entstand aus mehreren beieinander liegenden slawischen Dörfern und wurde erstmalig 1213 urkundlich erwähnt. Einzelne Stadtteile sind schon über 1.000 Jahre alt. Aufgrund der Furten an Elbe und Mulde entwickelte sich die Stadt schnell zu einem lokalen Zentrum. Im 14. bis 19. Jahrhundert war Dessau die Hauptstadt des Fürsten- bzw. Herzogtums Anhalt-Dessau. Vor allem das Gartenreich Wörlitz, angelegt von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, zeugt von dieser Zeit. Im 19. Jahrhundert begann das Zeitalter der Industrialisierung und viele Betriebe der chemischen Industrie und des Maschinenbaus siedelten sich an. Ein entscheidender Einschnitt in die Dessauer Geschichte war der Zuzug der Kunsthochschule Bauhaus im Jahr 1926. Sie ist Deutschlands berühmteste Kunst- und Designschule der Klassischen Moderne und nimmt in der Geschichte von Kultur, Architektur, Design, Kunst und neuen Medien des 20. Jahrhunderts eine besondere Rolle ein. Das Bauhaus wurde bereits 1919 in Weimar gegründet und setzt sich für eine Vereinigung von Kunst und Produktion ein, um durch eine vorbildliche Gestaltung von Gegenständen und Räumen eine humanere Gesellschaft zu schaffen. Aufgrund konservativer politischer Haltungen in Weimar zog es von 1925 bis 1926 nach Dessau um. Der Architekt Walter Gropius entwarf einen Neubau, dessen Einrichtung vom Meister und den Bauhaus-Werkstätten größtenteils selbst geplant war. 1932 musste das Bauhaus erneut, diesmal nach Berlin, umziehen bis es 1933 von den Nationalsozialisten endgültig aufgelöst wurde. Unter einem schweren Luftangriff 1945 auf Dessau erlitt das Gebäude einige Beschädigungen und wurde erst 1976 wieder rekonstruiert. Seit 1994 hat die Stiftung Bauhaus Dessau hier ihren Sitz. Deren Ziel ist es, das Erbe des historischen Bauhauses zu bewahren und der Öffentlichkeit zu vermitteln sowie in Fortführung dieses Erbes, Beiträge zur Gestaltung der heutigen Lebensumwelt zu leisten. 1996 nahm die UNESCO den Gebäudekomplex in die Liste des Weltkulturerbes auf.

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 Magdeburg

Erstmalig wurde die Stadt Magdeburg im Jahr 805 unter Karl dem Großen urkundlich erwähnt, so dass sie heute auf eine 1.200jährige Geschichte zurückblickt. Im 10. Jahrhundert wurde Magdeburg Kaiserpfalz des ersten deutschen Kaisers Otto I.. Nach seiner Eheschließung mit Editha, der Halbschwester des angelsächsischen Königs, schenkte er Magdeburg seiner Frau als Morgengabe. Zu jener Zeit war noch nicht vorauszusehen, dass in dieser Stadt, an der damaligen Ostgrenze des Reiches, Weltgeschichte geschrieben würde. Die Geschichte beginnt im Jahr 937, als Otto der Große zu Ehren des heiligen Mauritius ein Benedikter Kloster errichten ließ und dieses zu seiner Grablege erwählte. An dieser Stelle findet sich der Ursprung des heutigen Magdeburger Doms, eine der Wiegen der deutschen Geschichte. Hier begründet sich die Christianisierung Osteuropas und damit letztlich der Begriff des Abendlandes. Im Jahr 955 ließ Otto I. die Kirche des Klosters zu einer romanischen Basilika ausbauen. Nach seiner Krönung zum Kaiser wurde Magdeburg 968 schließlich zum Erzbistum erhoben. 973 stirbt Otto I. und wird neben seiner Frau Editha im Dom beigesetzt. Im Jahr 1207 erstörte ein Stadtbrand den ottonischen Dom fast vollständig. Zwei Jahre später begann der Wiederaufbau auf den alten noch  vorhandenen Grundmauern. Hier entstand das erste, im Grundriss gotisch konzipierte Bauwerk in Deutschland. Die Arbeiten dauerten über 300 Jahre. Somit zählt der Magdeburger Dom zu den wenigen gotischen Kathedralen Europas, die in allen wesentlichen Teilen noch in der mittelalterlichen Epoche fertig gestellt wurden. Nach zwei weiteren Zerstörungen des eindrucksvollen Bauwerks im Dreißigjährigen Krieg und später im Zweiten Weltkrieg, grenzt es an ein Wunder, dass noch Spuren dieser glanzvollen Vergangenheit zu finden sind. Das Erbe Otto des Großen ist dem sagenumwobenen Dom bis heute erhalten geblieben.

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 Wittenberg

Der Name der Stadt Wittenberg wird zum ersten Mal im Jahr 1180 urkundlich erwähnt. Die heutige Altstadt zeugt von der Bedeutung der Lutherstadt im Zentrum der Reformation im 16. Jahrhundert. Die hier zu besichtigenden weltberühmten Lutherstätten wurden 1997 ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Die Schlosskirche „Allerheiligen“, am Ende der Altstadt, ist die wohl bekannteste der Lutherstätten. Der Legende nach heftete Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die damalige hölzerne Tür. Er protestierte damit gegen den von Papst Leo X. initiierten Ablasshandel. Im Zuge des Siebenjährigen Krieges 1760 fiel die Tür einem Feuer zum Opfer, das schließlich die gesamte Kirche ausbrannte. Sie wurde später durch eine von Friedrich Wilhelm IV. gestiftete Bronzetür ersetzt. Ein weiterer Anziehungspunkt der von der Renaissance und Reformation geprägten Altstadt ist das Lutherhaus. 1507 bezog Luther das ehemalige Augustinerkloster in dem er 35 Jahre als Mönch und Theologie Professor unterrichtete. Nach dem Durchbruch der Reformation überließ der Kurfürst Luther das verwaiste Kloster, in dem dieser ein Jahr später die Nonne Katharina von Bora heiratete und bis zu seinem Tode mit seiner Familie lebte. Heute ist das Lutherhaus Teil der Stiftung Luthergedenkstätten und das größte reformations-geschichtliche Museum der Welt. Neben der Schlosskirche und dem Lutherhaus zählt auch die Stadtkirche St. Marien, das älteste Gebäude der Stadt, zu den Gedenkstätten. Hier fand die Reformation mit Luthers Predigten ihren Ausgangspunkt. Sie beendete nicht nur unwiderruflich die mittelalterliche Alleinherrschaft der römisch-katholischen Kirche, sondern prägte auch unser heutiges Hochdeutsch. In Wittenberg waren die süd- und norddeutschen Dialekte zu einem Ostmitteldeutsch verschmolzen. Durch die Verbreitung der Lutherbibel wurde die Entwicklung dieser Sprachform vorangetrieben und setzte sich schließlich allgemein durch.

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 Tangermünde

Tangermünde ist eine ehemalige Hansestadt in der Altmark. Dort wo der Tanger in die Elbe mündet entstand vor etwa 800 Jahren die Stadt der norddeutschen Backsteingotik. Den Mittelpunkt Tangermündes bildet eine Burg, die erstmals im Jahr 1009 urkundlich erwähnt wurde. Lange Jahrhunderte war sie Sitz des askanischen Markgrafen von Brandenburg. Im Schutz der Festung an der Ostdeutschen Grenze entstand die Stadt, deren erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1275 stammt. Unter der Herrschaft von Kaiser Karl IV. im 14. und 15. Jahrhundert erlebte die Hansestadt ihre Blütezeit. Allerdings war den Tangermündern diese Blüte nicht lange vergönnt. Unter der Herrschaft der Zollern schwanden allmählich Ruhm und Glanz. Im 17. Jahrhundert trafen die Stadt immer wieder Rückschläge. Pestepidemien, Stadtbrände und der Dreißigjährige Krieg hinterließen starke Verwüstungen. Die schlimmste Zerstörung erlitt Tangermünde im Jahr 1617. Ein Großbrand legte etwa zwei Drittel der Stadt in Schutt und Asche. Die Schuld daran gab man der Waisen Grete Minde. Sie soll aus Rache für ein vorenthaltenes Erbe Brandstiftung begangen haben. Die Geschichte des armen Mädchens, das nach zwei Jahren dafür auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, findet später auch ihre Aufnahme in die Literatur. Erst im 19. Jahrhundert konnte Mindes Unschuld bewiesen werden. Sie fiel einem Justizmord zum Opfer. Bis heute wird der geschichtenumwobenen Grete Minde jährlich in einem Theaterstück gedacht. Trotz aller Rückschläge bauten die Einwohner die Stadt wieder auf und es entstanden Fachwerkhäuser mit schönen Portalen und sehenswerten Schmuckformen. Weder das Zeitalter der Industrialisierung, noch der Zweite Weltkrieg zogen das mittelalterliche Stadtbild in Mitleidenschaft. Bis heute fühlt  man sich innerhalb der berühmten Stadtmauern mit ihren Toren ins Mittelalter zurückversetzt. Das alte Rathaus, die St. Stephanskirche und die gut erhaltene Fachwerk-Altstadt verwandeln Tangermünde in ein großes Freilicht-Museum. Die Stadt ist auch Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Tangermünde, zu der neun Gemeinden mit über 11.700 Einwohnern zählen.

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Romanik

In Sachsen-Anhalt befindet sich eine Wiege deutscher Geschichte. Entlang der Straße der Romanik unternimmt man eine Reise zurück in die Zeit der Christianisierung von 950–1250. 60 Orte und Städte mit 72 interessanten, historischen Bauwerken aus dem Mittelalter werden seit ihrer Eröffnung im Jahr 1993 durch sie verbunden. Die 1.195 km lange Straße zieht eine Schlaufe in Form einer Acht quer durch Sachsen-Anhalt. Sie teilt sich auf in Nord- und Südroute, deren Schnittpunkt in der Mitte die Stadt Magdeburg bildet. In der ehemaligen Kaiserpfalz befinden sich vier Bauwerke an der Straße der Romanik. Dazu zählen der eindrucksvolle Magdeburger Dom, dessen Grundmauern schon von Otto dem Großen gelegt wurden, die St. Sebastian- und St. Petrikirche sowie das Kloster Unser Lieben Frauen. Letzteres bildet den Ausgangsort und Verbindungspunkt der Nord- und Südroute. Der Nordroute nach Süden folgend, gelangt man nach Havelberg mit seinem Dom St. Marien, im Biosphärenreservat Mittelelbe gelegen. Die legenden- und geheimnisumwobenen Sehenswürdigkeiten berichten von der Geschichte der Wiedergeburt Europas in einem neugewonnenen gemeinsamen abendländischen Denken. Weiter durch die Altmark nach Süden prägen vor allem die zahlreichen Backsteinkirchen die Route wie in Sandau (Ruine im Wiederaufbau), Schönhausen, Wust und das Kloster Jerichow. In Pretzien sollte man sich keinesfalls die Dorfkirche St. Thomas entgehen lassen, welche durch ihre spätromanischen Wandmalereien berühmt geworden ist. Sie gelten als die wertvollsten Zeugnisse mittelalterlicher Wandmalerei in Mitteldeutschland. Der Südroute folgend bewegt man sich zunächst auf den Spuren der Ottonen durch den Harz. Sehenswert sind Orte wie Halberstadt, Quedlinburg, Gernrode, Querfurt, Memleben, Merseburg oder Tilleda.

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 Hanse

Hanse nannten sich die Vereinigungen deutscher Kaufleute zwischen Mitte des 12. und 17. Jahrhunderts. Das althochdeutsche Wort Hansa bedeutet so viel wie Gruppe, Gefolge oder Schar. Ziele dieser Zusammenschlüsse bestanden darin, wirtschaftliche Interessen besonders im Ausland besser vertreten zu können. Ihr Einfluss stieg mit der Entstehung des Städtebundes der Hanse. Die in ihm zusammengeschlossenen Hansestädte vertraten ihre Interessen gemeinsam gegenüber anderen Nationen sowie dem Kaiser. In ihrer Blütezeit zählte die Hanse fast 200 nordeuropäische See- und Binnenstädte. Ihre Farben, weiß und rot, finden sich noch immer in den Stadtwappen vieler Hansestädte. Einen in Sachsen-Anhalt noch heute bedeutenden Zusammenschluss bildet der Altmärkische Hansebund. „Die magischen Sieben und mehr" setzen sich aus den acht Städten Stendal, Salzwedel, Gardelegen, Tangermünde, Havelberg, Seehausen, Osterburg und Werben zusammen. Die Gestaltung dieser Städte ist bis in die heutige Zeit hinein von der Blütezeit der Hanse geprägt. Die zahlreichen historischen Bauwerke erzählen von Zeiten des Wohlstandes, der Kunstfertigkeit der Handwerker, der Tüchtigkeit der Kaufleute und der Macht der Kirche. Der Altmärkische Hansebund leistet als Mitglied des Bundes "Die Hanse" einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas. Er unterstützt die Verbreitung des grenzüberschreitenden Hansegedanken und bringt sich mit seinem Leistungsvermögen, mit Hansetreffen und anderen Veranstaltungen in „Die Hanse" ein. Ein besonderes Ereignis für Sachsen-Anhalt sind die 27. Internationalen Hansetage der Neuzeit. Im Jahr 2008 richtet Salzwedel diese Veranstaltung aus und wird Treffpunkt der Hanseaten aus vielen europäischen Städten sein.

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 Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung fand in Sachsen-Anhalt vor allem im Raum Dessau, unterstützt von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, seinen Ursprung. In dieser Epoche vollzogen sich im Denken der westlichen Gesellschaft bedeutende Entwicklungen. Das neu erlangte Wissen sollte althergebrachte, starre und überholte Weltansichten, Vorurteile und Ideologien ablösen. Ein wichtiger Aspekt der Aufklärung bestand darin, Bildung, vor allem auch für das „niedere" Volk, zu fördern. Fürst Franz ging dieser Entwicklung voran, indem er die auf Reisen erworbenen Erkenntnisse in seinem Land umsetzte. Zu dieser Zeit entstand das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Es sollte neben seiner ästhetischen Wirkung den lehrhaften Aspekt unterstützen. Es wurden landwirtschaftliche und technische Musterbetriebe sowie Zweckbauten, wie Schulen, Friedhöfe und Kirchen, in das Landschaftsbild integriert. Die Anlagen waren die ersten Landschaftsparks außerhalb Englands und spiegelten ein vollkommen neues Lebensgefühl wider. Um den Idealen der Aufklärung gerecht zu werden, waren die Parks von Beginn an für jedermann zugänglich. Die neuen Entdeckungen auf Überseereisen, die Papierherstellung und der Buchdruck machten die Welt der Literatur auch für die ärmeren Schichten zugänglich. Unter der toleranten Politik des Fürsten wurden in Dessau viele Institutionen gegründet, darunter die erste deutschsprachige jüdische Zeitung im Jahr 1806, das Philanthropin 1774 und die Allgemeine Buchhandlung der Gelehrten 1781. Fürst Leopold III. finanzierte all diese Maßnahmen aus eigener Tasche. Er verwendete die Einkünfte ostpreußischer Güter, die die Fürsten von Anhalt-Dessau als Bezahlung ihrer preußischen Dienste erhalten hatten und nicht, wie üblich, die dürftigen Steuern der armen Bevölkerung.

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Radwege

Das Biosphärenreservat Mittelelbe bietet verschiedenste Möglichkeiten, seine Landschaft bis ins kleinste Detail hinein zu erkunden. Eine besonders große Vielfalt halten die Radwege an der Elbe und in der sie umgebenden Landschaft bereit. Den Europa-Radweg-R1 zeichnet ein wechlungsreiches Angebot an Kultur- und Naturgeschichte aus. Auf einer Strecke von 35 km berührt man beispielsweise die einer niederländischen Prinzessin gewidmete Stadt Oranienbaum mit sehenswertem Park und Schloss. Von dort führt der Weg dann vorbei an der Biberfreianlage und ermöglicht einen Abstecher zu diesem Informationszentrum. Mit der Befahrung des Elbe-Radweges-R2 entschließt man sich für eine rund 360 km lange Strecke entlang des kompletten Elbverlaufs im Biosphärenreservat. Der Elbe-Radweg führt am sehenswerten UNESCO Welterbe wie der Lutherstadt Wittenberg, dem Gartenreich Dessau-Wörlitz und dem Dessauer Bauhaus vorbei. Der Magdeburger Dom, Tangermünde und Havelberg als Denkmäler der Backsteingotik sowie die begleitende Elbaue mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten stellen nur einen Bruchteil dessen dar, was einen kultur- und naturinteressierten Besucher erwartet. Der Altmarkrundkurs führt
500 km durch die ländlichen Gegenden der Altmark und verläuft teilweise mit dem Elberadweg identisch. Der Weg geleitet unter anderem durch Elbauen, die ehemalige Kaiserstadt Tangermünde, den Elbe-Havel-Winkel und am Arendsee vorbei. Die Altmark zeigt sich hier von ihren reizvollsten Seiten. Durch eine ebenso außergewöhnliche Landschaft führt der Muldetal-Radwanderweg. Die Dörfer und Städte entlang der Mulde lassen einen tiefen Blick in die Geschichte der Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts zu. Wer allerdings ein Kultur- und Landschaftserlebnis der ganz besonderen Art nicht verpassen möchte, sollte sich für den Fürst-Franz-Weg entscheiden. Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist durch einen eigenen 60 km langen Rundkurs erschlossen. Schlösser, Alleen, Skulpturen und Gärten sind so in das natürliche Landschaftsbild der Elbauen eingefügt, dass sie den Eindruck eines einzigen Parks vermitteln.

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 Blaues Band

Das Biosphärenreservat Mittelelbe lässt sich auch vom Wasser aus erleben. Es wird von der Elbe und ihren Nebenflüssen wie von Adern durchzogen. Den verschiedenen Gewässern folgend, wird man mit fantastischen Blicken auf die natürlichen Auenlandschaften und Städte mit großer Geschichte wie Wittenberg, Dessau oder Magdeburg belohnt. Doch auch mediterrane Eindrücke prägen das Landschaftsbild wenn man vom Wasser an Wein, Burgen und Schlössern vorbeigetragen wird. Wer sich gern auf dem Wasser bewegt, dem bieten sich unzählige Möglichkeiten die grandiose Landschaftskulisse zu erkunden. Ob mit dem Motorboot, Segelboot, Kanu oder Surfbrett, jedem Wassersportler wird hier etwas geboten. Vielerorts wurden neue Steganlagen und Servicestationen eingerichtet. Dazu bieten Hotels, Pensionen und Campingplätze verschiedene erlebnisreiche und erholsame Ausflüge auf dem Wasser an. Angler fangen mit etwas Glück Karpfen, Hecht, Aal oder Zander. Zu einem richtigen Sommerurlaub gehört natürlich auch das Baden. Großer Beliebtheit erfreut sich jährlich der Elbebadetag. Technikbegeisterte sollten sich einen Ausflug zum Magdeburger Wasserstraßenkreuz nicht entgehen lassen. Die fast 1.000 m lange, über die Elbe führende Trogbrücke gehört zu den größten Schiffbrücken der Welt.

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 Reitwege

Die weiten Landschaften nahezu unberührter Natur im Biosphärenreservat Mittelelbe sind ideales Terrain für Pferdeliebhaber und Reitfreunde. Besonders der nördliche Teil, die Altmark, inspiriert zu entspannenden Ritten durch die Region. Hier gibt es mit rund 1.600 km das größte zusammenhängende Reitwegenetz Europas. Mehr als 50 Reiter- und Ferienhöfe bieten eine fast unüberschaubare Vielfalt. Gute Übernachtungsmöglichkeiten und Gastpferdeboxen gestalten einen Aufenthalt in der Altmark besonders angenehm. Doch auch wer sich nicht selbst auf das Tier setzen möchte, hat die Möglichkeit die unvergleichliche Natur bei einer Kutsch- oder Kremserfahrt zu genießen. Die Wanderritte führen durch stille Wälder, weite Wiesen und blühende Auenlandschaften. Die sandigen, weitläufigen Wege machen den Ausritt für Reiter und Pferd zu einem Vergnügen. Die Altmark ist traditionsgemäß eng mit der Pferdezucht und dem Reitsport verbunden. Ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi, die breit gefächerten Möglichkeiten lassen es niemandem langweilig werden. Weite Felder und sandige Waldwege laden zum Galopp, urwüchsige Natur zum ruhigen Schritt und zur Beobachtung ein. Die kleinen altmärkischen Dörfer lassen in den kleinen Verweilpausen den Alltag schließlich vollkommen vergessen. Wer zum Ritt ein konkretes Ziel vor Augen hat, kann von vornherein zwischen verschiedenen themenbezogenen Trails wählen. Der Elbe-Havel-Trail führt an naturbelassenen Flussläufen vorbei, andere wiederum an idyllischen Schlössern und Bauwerken, an altmärkischen Bauern- und Gutshöfen. Die reiterfreundliche Gesetzgebung in dieser Region lässt es jedoch auch zu, sich von eigenen Wegen überraschen zu lassen und andere Teile der Landschaft zu entdecken.

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 Wanderwege

Das Biosphärenreservat Mittelelbe setzt sich aus vielen verschiedenen Landschaften zusammen. Jede ist von außergewöhnlichen Eigenschaften geprägt. Naturinteressierte Wanderer haben daher die Möglichkeit, sich eigenständig über die Besonderheiten der jeweiligen landschaftlichen Räume zu informieren. Im Süden wurden 13 Auenpfade mit einer Länge von 1 bis 25 km angelegt. Weitere 4 Auenpfade erschließen den Norden des Biosphärenreservates. Sie sind repräsentative Ausschnitte der Natur- und Kulturlandschaft und weisen gezielt auf Besonderheiten hin. Der Auenpfad „Steckby-Steutz" führt durch den Ursprung des Biosphärenreservates. Hier wird die standörtliche Differenzierung der Elbaue beschrieben. Der Wanderer erfährt, wie der Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser ein ökologisches Standortgefüge schuf, an das sich eine vielseitige und schützenswerte Vegetation angepasst hat. Auf dem Aussichtsturm am Auenpfad „Kühnauer See" werden dem Besucher ganz besondere Perspektiven der Auenlandschaft geboten. Der Pfad führt direkt durch das an die Auen angrenzende Gartenreich Dessau-Wörlitz. Hier ergänzen Kulturwerke das Bild der Naturlandschaft. Ähnlich beeindruckend ist das Schloss, welches vom Auenpfad "Dornburg" umrundet wird. Es wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. Eine lange wildromantisch bewachsene Trockenmauer aus Feldsteinen schafft als Wärme- und Wasserspeicher ideale Bedingungen für wärmeliebende und genügsame Pflanzen. Anliegen der Auenpfade ist, die Bevölkerung und Touristen für die Natur und die Funktionen des Biosphärenreservates zu sensibilisieren. Die Auenpfade erfüllen dafür drei Funktionen: Neben den touristischen werden auch kulturelle und Umweltinformationen vermittelt.

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 Schifffahrt

Entlang des großen Flusssystems im Biosphärenreservat Mittelelbe existiert eine Vielzahl von Fähren. Ein ganz besonderer, vor allem diese Region kennzeichnender Fährtyp, ist die so genannte Gierseilfähre. Ihre Technik erfand der Holländer Hendrik Heuck im Jahr 1657. Die Gierseilfähre (von „gieren" im Sinne von Drehbewegung um die Hochachse des Schiffes) ist ein originelles Verkehrsmittel und vor allem von ökologischem Interesse. Im Fluss ist ein langes Drahtseil mit einer Boje verankert. Die Fähre hängt an diesem Seil, das sich kurz vor dem Schiff in zwei Teile aufspaltet. Das eine wird am Bug des Schiffes, das andere am Heck befestigt. Verändern sich die Längen der Drahtseile zueinander, verändert sich auch der Neigungswinkel der Fähre zur Strömung des Flusses. Ausschließlich das Einstellen der Seilenden geschieht heute mit Motorkraft. Die Gieseilfähre selbst besitzt keinen Motor. Der Druck des anströmenden Wassers schiebt sie an das Ufer auf dessen Seite sich das kürzere Seil befindet. Diese Technik lässt sich mit der eines Lenkdrachen vergleichen. Durch Ausnutzen der Flussströmung bleibt der Energieaufwand äußerst gering und es werden keine Schadstoffe an die Umwelt abgegeben. Im Jahr 1995 beschloss die Landesregierung Sachsen-Anhalts eine Konzeption zum Erhalt der Gierseilfähren. Hierbei wurde zum einen in den Um- und Neubau der Fähren, zum anderen in die Instandsetzung und den Bau von Fährrampen investiert. Der in Deutschland kaum noch vorhandene Fährtyp stellt auch für Touristen eine interessante Attraktion dar. Weiterhin bieten die „Magdeburger Weiße Flotte", die Reederei „Wirschke" Aken, die Reederei „Kaiser" in Tangermünde sowie die „S&H Wittenberger Passagierschifffahrt GbR" eindrucksvolle und erholsame Fahrten an.

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 Persönlichkeiten

Im heutigen Sachsen-Anhalt liegen die Wurzeln berühmter Persönlichkeiten, die einen wichtigen Teil deutscher Geschichte schrieben. Der Ottone Otto der Große (912–973) erhob die Stadt Magdeburg zur Kaiserpfalz. Zum ottonischen Baustil gehören die Domkrypta „St. Peter und Paul" in Zeitz, die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode, die Krypta der St. Wipertikirche in Quedlinburg sowie das Kloster in Memleben. Als Professor für Griechisch und Hebräisch war Melanchthon an der Bibelübersetzung beteiligt. Er schuf ein neues Schulsystem, das als Grundlage unserer heutigen Schulen gilt. Cranach war Maler und Grafiker der Renaissance. Als Freund Luthers fungierte er als dessen Trauzeuge und wurde später Bürgermeister von Wittenberg. Das Melanchthonhaus und die Cranachhöfe kann man noch heute in der Altstadt besichtigen. Otto von Guericke (1602–1686), in Magdeburg geboren, war deutscher Politiker und Wissenschaftler. Bekannt wurden die Magdeburger Halbkugeln mit denen er die Kraft  des Luftdrucks demonstrierte. Im Otto-von-Guericke-Museum in der Lukasklause Magdeburg sind seine Versuche originaltreu nachvollziehbar. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817), genannt Vater Franz, wurde in Dessau geboren. Unter ihm entstand das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Als Anhänger der Aufklärung strebte er die Erziehung der Bevölkerung durch das Studium der Natur an. Otto von Bismarck (1815–1898), erster Kanzler des 2. Deutschen Reiches, wurde in Schönhausen/Elbe geboren. Bereits als Deichmeister erwarb er große Verdienste. Später bezeichnete Bismarck seine altmärkische Heimat als „Wiege Preußens". Kurt Julian Weill (1900–1950), als Jude in Dessau geboren, war deutscher Komponist. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Dreigroschenoper. Nach der Machtübernahme 1933 floh er nach Paris, später New York. Heute findet jedes Jahr in Dessau das 10tägige Kurt-Weill-Fest statt.

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 Wasserbauten

Im Biosphärenreservat, nördlich von Magdeburg, befindet sich eine besondere ingenieurtechnische Leistung: Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Es setzt sich aus der Elbe, dem Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal zusammen. Um vom Mittellandkanal in den Elbe-Havel-Kanal zu gelangen mussten die Schiffe früher einen 12 km langen Umweg über die Elbe in Kauf nehmen. Doch nicht nur der Umweg stellte eine Unannehmlichkeit dar. Die erste Hürde bildete die Schleuse Rothensee oder das parallel gebaute Schiffshebewerk, ein technisches Meisterwerk aus dem Jahre 1938, gefolgt vom Magdeburger Hafen. Bei Niedrigwasser der Elbe war er für viele Schiffe nicht mehr befahrbar. Die dritte Hürde stellte die östlich der Elbe gelegene Schleuse Niegripp dar. Seit Oktober 2003 ist dem Flussverkehr dieser Weg erheblich vereinfacht worden. Eine Brücke über die Elbe verbindet beide Kanäle nun direkt miteinander, das so genannte Magdeburger Kreuz. Es zeichnet sich durch die längste Trogbrücke Europas aus, über die Schiffe auf dem Mittellandkanal die Elbe überqueren können. Die Doppelsparschleuse Hohenwarte reguliert schließlich den Höhenunterschied zwischen den beiden Kanälen und das Schiff befindet sich im Elbe-Havel-Kanal. Diese riesige Anlage kostete rund 50 Millionen Euro. Die Trogbrücke ist 918 m lang und 32 m breit. Von einer Besucherplattform auf dem Dach des Schleusensteuerstandes aus einer Höhe von 13 m über dem Wasserspiegel des Mittellandkanals kann die Anlage besichtigt werden. Besonders interessant ist auch die Eisfreihaltung im Winter. Dabei lässt man an den Seiten der Trogbrücke Luft aufsteigen, so dass sich zwischen den Wänden und der Wasseroberfläche kein Eis bilden kann. So wird verhindert, dass die Trogwände vom Eis auseinander gedrückt werden.

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 Mühlen

Zu jeder Flusslandschaft gehörten früher selbstverständlich die Mühlen. Auch im Biosphärenreservat finden sich noch gut erhaltene Mühlen-Denkmäler. Ein ganz besonderes Exemplar stellt die Schiffsmühle Magdeburg am Petriförder dar. Sie ist eine seltene Form der Wassermühle, welche sich in Mitteleuropa nicht erhalten konnte, da sie für die aufkommende Dampfschifffahrt ein Hindernis darstellte. Schiffsmühlen wurden auf einer schwimmenden Plattform erbaut und waren an der strömungsintensivsten Stelle im Fluss oder am Ufer verankert. Das Rad wurde vom fließenden Wasser angetrieben. Der Wirkungsgrad einer solchen Technik galt zwar als gering, jedoch stand ihre Energie, im Gegensatz zu anderen Mühlen, immer zur Verfügung. Außerdem konnte die Schiffsmühle jederzeit an Land gezogen werden. Bei Schiffsverkehr, Flößerei oder Eisgang wurde sie einfach in Sicherheit gebracht. Die Bockwindmühle ist die älteste Mühlenart in Europa. Im deutschen Raum tritt sie zu Beginn des
15. Jahrhunderts auf. Das Untergestell, der „Bock", in dem das Mühlenhaus untergebracht ist, gibt der Mühle ihren Namen. Das gesamte Mühlengehäuse ist um seinen senkrecht stehenden „Hausbaum" drehbar. So wurden die Mühlenflügel in den Wind gedreht und in Bewegung gesetzt. Die Bockwindmühle konnte relativ einfach abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden. Lediglich der „Bock" musste noch einmal neu konstruiert werden. Noch gut erhaltene Exemplare finden sich z. B. in Werben, der ehemaligen Stadt der Mühlen. Die Bockwindmühle Michael Schnelle wurde 1824 erbaut und 1953 stillgelegt. Die Palltrockwindmühle Schollene stammt aus dem Jahr 1845. Etwa 100 Jahre später baute man sie auf Motorbetrieb um, bis ihr Betrieb 1967 endgültig eingestellt wurde. 1997 wurde die bis dahin verfallene Mühle wieder rekonstruiert. In der Gemeinde Klietz kann man heute eine im Jahr 1880 errichtete Mühle besichtigen. Besonders ihre  mühlentechnische Einrichtung ist noch gut erhalten.

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 Hochwasser

In den vergangenen Jahrhunderten hat der Mensch immer mehr versucht, die fruchtbaren Flussauen zu besiedeln und für sich nutzbar zu machen. Der dadurch verstärkten Hochwassergefahr begegnete man mit immer durchdachteren Deichsystemen. Durch die Flussregulierung und Eindeichung, auch der Nebenflüsse der Elbe, versuchten die Menschen die Gewässer zu kontrollieren. Sie rodeten die Auenwälder um ihre Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. Auf diese Weise gingen der Elbe etwa 80 % des Auengebiets verloren. Die natürlichen Wasserrückhaltesysteme wurden durchschnittlich von 10 km Breite auf 1 km reduziert. Doch je mehr der Strom eingedämmt wird, desto mehr versucht er sich zu befreien. Tritt der Fluss über seine Ufer, strömen die riesigen Wassermengen ungebremst ins Tal. Im Biosphärenreservat Mittelelbe wird heute darauf hingearbeitet, sich dem ursprünglichen Zustand der Flussauen wieder anzunähern. Die Hochwassergefahr entschärft sich, indem ehemalige Überschwemmungsgebiete wieder reaktiviert werden. Erste Deiche werden rückverlegt und die dahinterliegenden Gebiete als Überschwemmungsräume ausgewiesen. So wurden schon Retentionsräume zurückgewonnen. Ziel ist es, die Flussauen so weit zu vergrößern, dass das Hochwasser der Elbe seinem freien Lauf überlassen werden kann. Die regelmäßigen Überschwemmungen versorgen das Umland mit frischem Wasser und Nährstoffen. Dadurch werden den Pflanzen und Tieren vielfältige Lebensbedingungen geboten. Das Wasser sickert in den Boden, wird durch den natürlichen Bodenfilter gereinigt und füllt den Grundwasserspiegel wieder auf. Für den Menschen stellen die weitläufigen Auenlandschaften mit ihren saftigen, blühenden Wiesen und dichten, artenreichen Wäldern einen wertvollen Erholungsraum dar, der gerade bei Hochwasser einen ganz eigenen Reiz besitzt.