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Lebensräume

Im Biosphärenreservat Mittelelbe bestimmen Elbe, Mulde, Saale und Havel Geschichte und Struktur aller angrenzenden Lebensräume, einschließlich der bebauten, dicht besiedelten Wirtschafts- und Wohngebiete zwischen dem Industriegebiet von Bitterfeld- Wolfen und der weiträumigen Havelniederung an der niedersächsischen Grenze.

Im folgenden Text wird versucht, einen Bogen zu spannen zwischen den landschaftsformenden Kräften, die mit dem Ausklingen der letzten Eiszeit langsam zum Erliegen kamen und den Anstrengungen des Menschen, in dieser einst kaum bewohnbaren Landschaft sesshaft zu werden und die unberechenbare Dynamik der Flüsse zu brechen und diese in Wasserstraßen zu verwandeln. Die einst Landschaftsgestaltende Flussdynamik  der Elbe wurde dauerhaft gebannt und führte zu dem uns heute bekannten Bild der Wasserstraße. Aus den Moorgebieten  wurden Wiesen, aus Wäldern Forsten. Es verwundert nicht, dass von der ehemaligen Vielfalt im und am Fluss nur Weniges übrig blieb- dies zu bewahren und zu nutzen, ist die eigentliche Aufgabe eines Großschutzgebietes.

Die erwähnten, an den Fluss grenzenden Lebensräume lassen sich funktional und standörtlich einteilen in: Schlamm- und Schlickfluren, Sand- und Kiesbänke, Buhnenfelder, Zone der Strauchweiden (Weichholzaue), Hartholzaue, Grünland, Tieflandbäche nebst Hochstaudenfluren sowie die suburbanen und urbanen Bereiche der Siedlungen. Auf die Besonderheit des Bestehens einer Kulturlandschaft zwischen Dessau und Wörlitz wird an anderer Stelle eingegangen.

Fluss und Aue bilden eine Einheit: der Fluss bewegt die ständig nachgelieferten Sedimente und lagert sie je nach Sinkgeschwindigkeit an Stellen mit geringer werdendem Gefälle ab; Hochwasserwellen sind nur für uns katastrophale Ereignisse- für die Lebensräume der Auen und Niederungen sind hohe Wasserstände lediglich die Ursache für Umwälzungen der Sedimente. Zugewinn neu entstandener(sedimentierter) und vom Wasser weggespülter (erodierter) Flächen halten sich im Gleichgewicht und sichern damit auch die Vorkommen der auf die Dynamik angewiesenen Arten.  Diese Episoden in Form von Hochwasserwellen schaffen die Voraussetzung einer speziellen Fluss-Dynamik und, damit verbunden, einer typischen Abfolge von Lebensräumen von der fließenden Welle zu den seit Jahrhunderten bestehenden Wäldern aus knorrigen Eichen und breitkronigen Eschen.

Generalisiert betrachtet, schließen sich an den Fluss in landseitiger Abfolge einzelne Lebensräume an, die im Folgenden kurz  beschrieben werden. Fluss begleitend und in Ausbildung, Breite und Präsenz von Jahr zu Jahr wechselnd sind die ab Mittelwasser bespannten Schlick -und Schlammufer mit Annuellen Uferfluren (Arten und Bilder). Sand und Kieslager, bei Niedrigwasser weit in den Fluss ragend, markieren den Wechsel von sehr mobilen und nur kurze Zeit bestehenden (ephemeren) Habitaten zu dauerhaften Standorten. Sand und gröbere Fraktionen bilden wesentlich stabilere Lagerungsverhältnisse und erlauben auf diese Weise das Vorkommen bereits mehrjähriger Kräuter und einer Vegetationsform, die eine Art „Vorwald „  darstellt: die Weichholzaue. Die für uns heute nicht mehr vorstellbare Kraft des Wassers schuf entlang der Elbe Binnendünen, die nach der letzten Eiszeit von den Lößverwehungen nicht unbeeinflusst blieben und gegenwärtig zu den am meisten gefährdeten Lebensräumen in Sachsen-Anhalt zählen.

Landeinwärts schließt sich über von Hochwasserwellen aufgeschüttetes Hochufer (Wall) aus unterschiedlichen Sedimenten ein weiterer, zumeist vom Wasser bestimmter Lebensraum an: periodische kleine Hochwasserwellen  und Sickerwasser füllen über lange Zeit die Flutmulden. Als Lebensräume für Arten, die wenigstens als Larvenstadien auf Wasser angebunden sind, spielen sie für viele davon eine unersetzbare Rolle. Oft finden sich auf den landseitigen Böschungskanten steile Uferabbrüche.

Jenseits weiträumiger Grünlandgesellschaften, deren Existenz, Standortpotenzial  und schließlich Artenzusammensetzung seit Jahrhunderten von der Intensität landwirtschaftlicher Nutzung abhängt, markiert ein geschlossenes, dichtes Labyrinth den Übergang zu einem völlig anders aufgebauten Lebensraum. Nur an heißen Sommertagen wird der Unterschied zwischen Offenland und vom Laub der Bäume bestimmten, schattig-kühlen Mikroklima auch sinnlich erfahrbar. Die Laubwälder sind in der Regel aus Mischbaumbeständen zusammengesetzt und in ihnen sollten Stieleichen und Eschen als Hauptbaumarten der Hartholzaue nicht fehlen.

Am Mittellauf der Elbe begrenzen Höhenzüge das Stromtal, das bei Wittenberg eine Breite von mehr als 20 km erreichen kann. Im Südosten die Dübener Heide, im Nordwesten niederer und hoher Fläming- diese Höhenzüge markieren das Ausklingen der Gletschervorstöße und sind weithin sichtbare Erhebungen des Norddeutschen Tieflandes zwischen Bad Düben und Berlin.

Die beiden Höhenzüge, Dübener Heide und Fläming  nördlich und östlich der Elbe eint die exponierte Lage und da Vorherrschen überwiegend nährstoffarmer Sandböden. Während erstere kaum mehr als magere Kiefernstandorte und Heide aufweist, werden die Höhen des Fläming (Moränen) von artenreichen Laubwäldern aufgebaut, wobei die anspruchsvolle Rotbuche auf die deutlich günstigere Boden- und Standortverhältnisse hinweist.

Solche ausgedehnten Sanderflächen sind ebenfalls ein Ergebnis eiszeitlicher Wirkungen und stellen den Gegensatz zu Moorgebieten der Niederungen dar. Während sich letztere durch Kolonisatoren und eine geschickte Drainage irgendwann doch nutzen ließen, blieben die Heiden- u. a. die Colbitz- Letzlinger, die Oranienbaumer und die Kühnauer Heide- um nur einige zu nennen, nur marginal  von wirtschaftlichem Interesse.

Dagegen ist der Hochfläming, der sich etwa zwischen Lutherstadt Wittenberg und Wiesenburg- Belzig erstreckt, ein geologisches Dokument jüngerer geologischer Zeitabschnitte. Hier ist das Waldbild nicht nur abwechslungsreicher, sondern im Verbund mit Bächen, Erlenbrüchen und artenreichen Säumen auch ein besonderer Lebensraum für Elbebiber, Schwarzstorch, Eisvogel sowie Kleinfischen und seltenen Muschelarten nährstoffarmer, sandiger Niederungsbäche.

Das Plateau der Saalekaltzeit - Platten in Form von Grund- oder Endmoränen wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt, eingebettet in die Ackerlandschaft  zwischen Wiesen und Feldern liegen Dörfer. Infrastruktur und hohe Nutzungsintensität lassen in dieser Landschaft für wenige naturschutzfachlich wertvolle Strukturen Platz. Als Gewässerrandstreifen, Gebüsche und Feldgehölze spielen unter der Bezeichnung „biologische Korridore“ für die Vernetzung dieser Biotope  eine wichtige Rolle.

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich repräsentiert eine besondere  Synthese von gestalteter Natur und Kultur und ist als Zeugnis der  Aufklärung UNESCO- Kulturerbe. Die harmonische Einbettung von Architektur in die Landschaft zwischen Mulde und  Elbe sucht in dieser flächigen Ausdehnung und Vielfalt ihresgleichen in Deutschland.

Elbe bei Heinrichswalde  
Prallhangufer an der Mulde  
Saale mit Blick zum Burgwald  
Havel bei Neuschollene  
 
 
 
 
 
 
 
Signet UNESCO MaB